BERICHTE
 

  Palliativpharmazie – eine ganz besondere Fortbildung

An zwei Wochenenden in diesem Herbst trafen sich in Kassel knapp zwei Dutzend Apothekerinnen und Apotheker, um den theoretischen Teil der Zertifikatfortbildung Palliativpharmazie zu erarbeiten. Die Landesapothekerkammer Hessen als Veranstalterin hatte die Organisation in die Hände der APPH – Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit Nordhessen e. V. – gelegt. Für die Teilnehmer bedeutete dies, eine Fortbildung ganz dicht an der Praxis zu erleben.
Die Referenten bildeten nahezu das gesamte Spektrum der an der Palliativversorgung beteiligten Disziplinen ab: Ärzte, Psychologen, Pflegekräfte, Seelsorger, Psychiater und nicht zuletzt Apotheker übernahmen es, die verschiedenen Aspekte der Palliativversorgung darzustellen. Dank der hervorragenden Moderation durch Apothekerin Constanze Rèmi aus München wurden immer wieder praktische pharmazeutische Aspekte aus eigener Erfahrung eingebracht.
Unter den teilnehmenden Apothekerinnen und Apothekern waren alle Altersklassen vertreten, dazu verschiedene Arbeitsumfelder – von der öffentlichen Apotheke über die Klinikversorgung bis zur Krankenhausapotheke. Schnell entstand eine sehr offene Atmosphäre, geprägt von gegenseitigem Respekt und großem Vertrauen, die dazu führte, dass auch sehr persönliche Erlebnisse und Eindrücke mit in die oft lebhafte Diskussion eingebracht wurden.
In der Palliativversorgung steht der ganze Mensch mit seinen Wünschen, Ängsten und Nöten im Mittelpunkt. Es geht also nicht nur um die optimale medizinische Versorgung, sondern um die Betreuung des Patienten in seinem ganz individuellen Umfeld. Dazu müssen alle beteiligten Disziplinen auf Augenhöhe miteinander arbeiten, sich austauschen und in ihren Fähigkeiten ergänzen. Anhand von vielen realen Fallbeispielen wurden verschiedene Aspekte der Versorgung herausgearbeitet. Besonders hilfreich waren die Ausführungen der Psychologen, Psychiater und Seelsorger. Sie zeigten die seelischen und geistigen Aspekte einer lebensbedrohenden Erkrankung auf, machten bewußt, wie sich Schwerpunkte auf einmal ändern können und warum gut gemeinter Hilfestellung manchmal Ablehnung entgegenschlägt.
Nach zwei sehr intensiven, anstrengenden, aber auch erfüllenden Wochenenden waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: es war ein toller Kurs, eine rundum gelungene Veranstaltung! Zur Erlangung des Zertifikats müssen nun noch eine dreitägige Hospitation bei einem SAPV-Team oder einer Palliativstation absolviert und eine Falldokumentation erstellt werden.
Die Veranstaltung war in dieser Form ein Novum, denn sie wurde von der APPH – Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit Nordhessen e. V. – geplant und durchgeführt. Die APPH organisiert die ärztliche und pflegerische Fortbildung im Palliativbereich in Nordhessen. Bisher gehörte die apothekerliche Fortbildung nicht dazu, aber mit dieser Veranstaltung ist ein Schritt zur Integration unserer Profession in das multiprofessionelle Team getan. Dank der hervorragenden Planung von Herrn Dr. Wolfgang Spuck, Leiter der APPH, konnte die Veranstaltung in den Räumen des Palliativzentrums stattfinden, direkt benachbart zur Palliativstation am Roten-Kreuz-Krankenhaus Kassel. Die Referenten entstammen bis auf wenige Ausnahmen dem Palliativteam und haben sehr lebendig aus ihrem Arbeitsalltag berichtet. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an Frau Dr. Nina Eulitz, Oberärztin der Palliativstation, die eine Führung durch die Station mit 15 Betten ermöglicht und mit vielen realen Fallbeispielen die Komplexizität der Versorgung dargestellt hat. Der intensive Austausch war sehr förderlich für das gegenseitige Verständnis der Berufsgruppen. Es bleibt zu hoffen, daß diese Fortbildung auch in Zukunft viel Zulauf findet!
Claudia Wegener, Baunatal